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    Variantenvielfalt wirtschaftlich produzieren

    Mischen mit häufigem Produktwechsel – ohne Reinigungsstillstand

    Rührwerkloses Mischen, bei dem der Behälter gewechselt wird statt gereinigt – branchenübergreifend

    Kurz eingeordnet: Wer häufig Rezepturen, Produkte oder Sorten wechselt, verliert Zeit nicht im Mischen selbst, sondern im Umrüsten und Reinigen dazwischen. Beim Trajektionsmischen gibt es kein Werkzeug im Produkt – der verschlossene Prozessbehälter wird auf einer Lissajous-Bahn bewegt. Beim Produktwechsel wird der Behälter getauscht statt eine Anlage gereinigt. Das vermeidet Kreuzkontamination, verkürzt Rüstzeiten (SMED) auf den Sekundenbereich und macht kleine Chargen bis Losgröße 1 wirtschaftlich.

    Der Handel verlangt mehr Varianten, kleinere Chargen, schnellere Sortimentswechsel. Produzenten müssen mithalten – mehr Rezepturen, mehr Artikel, kürzere Serien. Der Engpass liegt dabei selten in der Mischleistung selbst, sondern im Wechsel dazwischen.

    Das Problem: Jeder Produktwechsel kostet Stillstand

    • Umrüsten und Einstellen kostet Zeit, in der die Anlage stillsteht und keinen Umsatz erzeugt.
    • Jeder Rezeptur-, Sorten- oder Produktwechsel zieht einen Reinigungszyklus (CIP) nach sich – Wasser, Reinigungsmittel, Personal, weitere Stillstandzeit.
    • Produktberührte Einbauten – Rührwerke, Wellen, Schaufeln, Werkzeuge – sind aufwendig zu reinigen und ein Pfad für Kreuzkontamination, kritisch beim Allergenwechsel und unter GMP.

    In der Lean-Sprache ist das ein klassisches SMED-Problem (Single-Minute Exchange of Die): Rüstzeit ist notwendig, aber nicht wertschöpfend. Bei werkzeuggetriebenen Anlagen ist eine kurze Rüstzeit schwer, weil das Mischwerkzeug fest in der Anlage sitzt und gereinigt werden muss.

    Der Ansatz: Das Werkzeug bewegt sich nicht – der Behälter tut es

    Beim Trajektionsmischen gibt es kein Rührwerkzeug im Produkt. Stattdessen bewegt sich der gesamte verschlossene Prozessbehälter auf einer definierten, frei konfigurierbaren Bahn (einer zweidimensionalen Lissajous-Kurve). Die zum Mischen nötigen Scher- und Zugkräfte entstehen durch die Massenbewegung des Produkts entlang der Behälterwand – das Produkt mischt sich selbst, ohne Totzonen.

    Die Konsequenz für den Produktwechsel ist der eigentliche Hebel: Die einzige produktberührte Komponente ist der Behälter. Es gibt keine Welle, kein Rührorgan, keine Schaufel zu reinigen.

    • Behälterwechsel statt Umrüsten und Anlagenreinigung – beim Laborsystem K1 manuell in wenigen Sekunden.
    • Ein Vorgang für den ganzen Satz – bei der automatisierten J4-Flow tauscht eine Mechanik alle Prozessbehälter gleichzeitig, im Bereich von rund 10 Sekunden.
    • Reinigung trivial – ein Behälter ohne Einbauten, oder direkt der nächste Behälter für das nächste Produkt.
    Rechenbeispiel aus einem Lebensmittel-Produktionszyklus: Vier Prozessbehälter à 15 kg laufen parallel, die Mischphase dauert rund 20 Sekunden, der komplette Behältersatz wird in einem Vorgang gewechselt. Andere Produkte und Branchen weichen ab – die belastbaren Zahlen klären wir am realen Material.

    Wann passt das – und wann nicht?

    Damit die Einordnung ehrlich bleibt: Das Verfahren spielt seine Stärke bei Wechsel und Vielfalt aus, nicht bei jeder Aufgabe.

    Passt gut, wenn …

    • häufige Produkt-, Rezeptur- oder Sortenwechsel anstehen
    • Variantenvielfalt, kleine bis mittlere Chargen, Losgröße 1
    • hohe Reinigungs-/Kontaminationsanforderungen bestehen (Allergenmanagement, GMP, Pharma, Kosmetik)
    • scher- oder temperatursensible bzw. hochviskose Produkte verarbeitet werden
    • reproduzierbares Scale-up vom Labor in die Produktion gefragt ist

    Weniger im Vordergrund, wenn …

    • dauerhaft eine einzige Großcharge ohne Wechsel im Durchlauf läuft
    • sehr große Einzelvolumina jenseits der Behälter- und Array-Logik gefragt sind
    • bereits eine eingefahrene Lösung ohne Wechsel- und Reinigungsschmerz arbeitet

    Wo das Verfahren nicht der richtige Weg ist, sagen wir das offen.

    Wie es sich von gängigen Mischverfahren unterscheidet

    Die meisten etablierten Mischverfahren erzeugen die Wirkung über ein bewegtes Werkzeug oder eine feste Kinematik. Der Unterschied liegt vor allem darin, ob ein produktberührtes Werkzeug gereinigt werden muss und wie flexibel die Bewegung ist:

    Verfahren (Kategorie)Werkzeug im Produkt?Typische StärkeBeim häufigen Wechsel
    Rührwerks-, Pflugschar-, Intensivmischer (werkzeuggetrieben)jagroße Volumina, breites Spektrum, etabliertWerkzeug reinigen, Kontaminationspfad
    Fliehkraft-/Zentrifugalmischen (DAC-Prinzip)neinsehr schnell, Labor- bis Kleinmengefeste Kinematik, Skalierung über das Gebinde
    Resonant-akustisches Mischen (RAM)neinenergetische Materialien, berührungsloseindimensional, an Resonanzfrequenz gebunden
    Trajektionsmischen (hs-tumbler)neinfrei konfigurierbare 2D-Bahn, Scale-up über ÄhnlichkeitBehälter tauschen statt reinigen

    Jedes dieser Verfahren hat seine Berechtigung. Unser Beitrag ist die Kombination aus kein Werkzeug im Produkt, frei konfigurierbarer Bewegung und schnellem Behälterwechsel – genau dort, wo Wechselhäufigkeit und Sauberkeit den Takt bestimmen.

    In Ihrer Branche

    Derselbe Hebel greift überall, wo Variantenvielfalt auf teure Wechsel trifft:

    • Lebensmittel – viele Rezepturen, marinierte und gewürzte Varianten, vegane neben konventionellen Linien. Reinigung zwischen Allergen- oder Rezepturwechseln entfällt weitgehend, weil kein Rührwerk im Spiel ist. → Lebensmittel
    • Technische Materialien & 2K-Systeme – Pigment-, Harz- und Massenwechsel ohne Restmengen im Rührwerk; kleine, definierte Ansätze on-demand. → Technische Materialien
    • Feuerfest, Keramik, Reibbeläge – wechselnde Rezepturen und kleine Versuchs- bis Serienmengen ohne Umrüstaufwand. → Feuerfeste Werkstoffe
    • Batterie & Energiematerialien – Elektrodenmassen und Aktivmaterialien definiert ansetzen, ohne Restmengen und Kreuzkontamination im gemeinsamen Werkzeug. → Energielösungen

    Pro Branche gibt es eine vertiefende Seite mit dem jeweiligen Fachvokabular und konkreten Anwendungsbeispielen.

    Häufige Fragen

    Welche Mischtechnik eignet sich bei häufigen Produkt- und Rezepturwechseln?

    Verfahren, bei denen kein Werkzeug im Produkt gereinigt werden muss. Beim Trajektionsmischen wird der Produktwechsel zum Behälterwechsel statt zum Reinigungszyklus – im Sekundenbereich. Das macht häufige Wechsel, kleine Chargen und Losgröße 1 wirtschaftlich und vermeidet Kreuzkontamination.

    Für welche Produktionen lohnt sich das – und für welche nicht?

    Besonders bei häufigen Wechseln, Variantenvielfalt, kleinen bis mittleren Chargen und hohen Reinigungs-/Kontaminationsanforderungen. Weniger im Vordergrund, wenn dauerhaft eine einzige Großcharge ohne Wechsel produziert wird – dort spielen klassische Großvolumen-Verfahren ihre Stärke aus.

    Wodurch unterscheidet es sich von einem Rührwerks- oder Intensivmischer?

    Werkzeuggetriebene Mischer erzeugen die Wirkung über ein rotierendes Werkzeug im Produkt – ein produktberührtes Bauteil, das gereinigt werden muss. Beim Trajektionsmischen gibt es kein Werkzeug im Produkt; der Behälter ist die einzige produktberührte Komponente und wird beim Wechsel mitgetauscht.

    Eignet sich das für Allergenwechsel und reinigungskritische Produktionen?

    Ja. Gemischt wird im geschlossenen Behälter ohne gemeinsames Rührorgan; ein wesentlicher Kontaminationspfad entfällt. Statt einer Anlagenreinigung wird der Behälter getauscht – das vereinfacht Allergenwechsel, Chargentrennung und Reinigungsvalidierung.

    Ist das nicht einfach Schütteln?

    Nein. Eine präzise getaktete Überlagerung zweier Bewegungen erzeugt gezielt Scher- und Zugkräfte an definierten Punkten der Bahnkurve. Das Verhältnis von Auslenkung zu Behälterdurchmesser ist die entscheidende Wirkbedingung – keine zufällige Bewegung.

    Ehrlich zu den Grenzen

    Das Verfahren ist erklärungs- und demonstrationsbedürftig: Oberflächlich sieht es nach Schütteln aus, was sein Potenzial leicht unterschätzen lässt. Ob sich eine konkrete Rezeptur und ihr Wechselregime übertragen lassen, klären wir am besten am realen Produkt. Wir arbeiten Trial-first – erst der Versuch mit Ihrem Produkt, dann das Gespräch über eine Anschaffung. Wo das Verfahren nicht der richtige Weg ist, sagen wir das offen.

    Versuch vereinbaren

    Bringen Sie uns Ihr Wechselszenario – wir zeigen den Produktwechsel am realen Ansatz.

    Versuch anfragen